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Radiorezeptor-Therapie (DOTATOC)

Lu-177-DOTATOC- oder Y-90-DOTATOC-Therapie

PRRT (Peptid-Radio-Rezeptor-Therapie) von Somatostatin-Rezeptor-positiven malignen Tumoren mit einem mit dem radioaktiven Betastrahler Yttrium-90 oder Lutetium-177 markierten Peptid DOTATOC.

Prof. R. P. Baum führte deutschlandweit die meisten Krebstherapien mit Lu177-DOTATOC bei neuroendokrinen Tumoren durch.

 

1. Welche Tumoren können behandelt werden?

Es können Tumoren und Metastasen behandelt werden, die einen vermehrten Somatostatin-Rezeptor-Besatz auf der Oberfläche der Krebszelle aufweisen. Festgestellt wird dieser Rezeptorbesatz durch die DOTATOC-PET/CT, eine notwendige Voruntersuchung, die zuvor in der Praxis durchgeführt wird. Durch die PET/CT ist es möglich, die Zahl der Andockstellen für die nachfolgende Therapie auf den Tumorzellen/Metastasen anhand sogenannter Uptake-Werte (SUV) genau zu bestimmen und damit vorherzusagen, ob eine Lu177-DOTATOC- oder Y90-DOTATOC-Therapie überhaupt sinnvoll ist und mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Erfolg erzielt werden kann: THERANOSTIKPrinzip – bestrahlt wird gezielt das, was vorher im PET/CT sichtbar ist.

 

2. Wirkungsweise der Lu-177/Y-90-DOTATOC Therapie

Die PRRT dient zur nuklearmedizinischen Behandlung von Somatostatinrezeptor-positiven Metastasen bzw. Tumorrezidiven, die auf andere Behandlungsmethoden nicht mehr ansprechen. Hierzu wird ein mit dem Betastrahler Lu-177 oder Y-90 markiertes Molekül verwendet. Die Reichweite z.B. des Beta-Strahlers Lutetium-177 beträgt im Gewebe ca. 2 mm, behandelt werden können aber auch sehr große Tumore, da das Molekül in praktisch jede Tumortiefe vordringt. Durch die geringe Reichweite kann gesundes Gewebe weitestgehend geschont werden. Das mit dem Betastrahler markierte Molekül wird in eine Armvene appliziert und reichert sich sehr schnell in den vorher durch die DOTATOC-PET/CT nachgewiesenen Metastasen bzw. Tumorrezidiven oder auch im Primärtumor an – das was vorher im PET/CT sichtbar ist, wird auch bestrahlt – im Englischen we see what we treat. Der Therapie-Effekt hängt somit von der Speicherintensität im PET/CT ab. Durch den Therapiestrahler wird die DNA der Tumorzellen zerstört, wodurch die Tumorbefunde in ihrem Wachstum gebremst, oder sich zurückbilden sollen.

 

3. Therapieablauf

Die Dauer der stationären Aufnahme in der DKD beträgt ca. 3-4 Tage. Während Ihres stationären Aufenthaltes dürfen Sie aus Strahlenschutzgründen leider keinen Besuch empfangen und die Station nicht verlassen. Sie haben jedoch regelmäßigen Kontakt zu Ärzten, Pflegepersonal und natürlich Ihren Mitpatienten. Außerdem stehen Ihnen Telefon, Fernsehen und Internetanschluss (WLAN) zur Verfügung.

Bevor die Therapie durchgeführt wird, erfolgen notwendige Untersuchungen (Laborkontrolle, Ganzkörper-DOTATOC-PET/CT, evtl. Nieren- oder Speicheldrüsenszintigraphie, Sonographie). Die Untersuchungsergebnisse werden vor der Behandlung ausführlich besprochen.

Am Therapietag müssen mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit getrunken werden, um die Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten (beschleunigte Ausscheidung).

Die Gabe der Therapiesubstanz  erfolgt intravenös über eine Armvene und dauert nur  wenige Minuten. Die nicht an die Metastasen/Tumoren angedockte, überschüssige Therapiesubstanz wird überwiegend renal ausscheiden. Zur Verringerung der Nierenbelastung erfolgt eine Infusionstherapie (parenterale Flüssigkeitszufuhr). Übelkeit trat nach der Therapie extrem selten auf.

Nach Injektion der Therapiesubstanz muß der Patient mindestens für 48 Stunden auf der Therapiestation verbleiben (dies ist eine gesetzliche Vorschrift, die nicht verhandelt werden kann).

Die Kontrolle der Anreicherungsintensivität in den Metastasen sowie Messungen zum Abbau der Therapiesubstanz im übrigen Körper erfolgen in der Praxis für Nuklearmedizin als szintigraphische Ganzkörperaufnahmen sowie mittels einer SPECT/CT (Tomographie/-Schichtuntersuchung) der Tumorregionen.

Die Therapie wird üblicherweise im Abstand von 3-4 Monaten mehrfach wiederholt. Vor einem erneuten Therapiekursus erfolgt meist eine DOTATOC-PET/CT zur Erfolgskontrolle.

 

4. Potentielle Nebenwirkungen

Die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten) und der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) kann abnehmen. Deshalb muss das Blutbild nach der  Therapie in bestimmten Zeitabständen kontrolliert werden. Auch nach mehrmaliger Therapie wurde gibt es in der Regel keine Einschränkung der Nierenfunktion, die renale Funktion wird überwacht. Aufgrund einer Anreicherung in den Tränen- und Speicheldrüsen kann es zu einer radiogenen Sialadenitis (Mundtrockenheit) kommen (dies wurde bisher nur selten beobachtet). Es können (theoretisch) allergische Reaktionen unter der Verabreichung auftreten (bisher nie). Langzeitnebenwirkungen oder schädliche Langzeiteffekte sind bisher nicht aufgetreten/bekannt.

 

5. Die Therapie kann nicht angewendet werden bei folgenden Erkrankungen:

– Akute Infektionen mit Fieber
– Hochgradige Knochenmarkinsuffizienz
– Hochgradige Niereninsuffizienz
– Herzinfarkt innerhalb der letzten 6 Wochen
– Rasch progrediente Zweitmalignome 

 

Kontakt: Prof. Dr. med. Richard P. Baum, CURANOSTICUM Wiesbaden-Frankfurt
E-Mail: baum@curanosticum.de